Gene oder Lebensstil?
Ist unsere Gesundheit im Alter bereits bei der Geburt vorbestimmt, oder haben wir es selbst in der Hand, wie fit, leistungsfähig und vital wir altern? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler, Mediziner und Gesundheitsforscher seit Jahrzehnten. Während genetische Faktoren zweifellos eine Rolle spielen, zeigen zahlreiche Studien sehr deutlich, dass unser Lebensstil den weitaus größeren Einfluss auf Gesundheit, Lebensqualität und Lebenserwartung hat.
Aktuelle Forschungsergebnisse gehen davon aus, dass Gene nur etwa 10 bis 25 Prozent unseres Alterungsprozesses erklären. Der überwiegende Teil, rund 75 bis 90 Prozent, wird durch Umweltfaktoren, Verhaltensweisen und persönliche Entscheidungen bestimmt. Genau hier setzt der Longevity-Ansatz an.
Der Einfluss der Gene
Gene beeinflussen viele grundlegende Eigenschaften unseres Körpers. Sie spielen eine Rolle bei der Körpergröße, bei Stoffwechselprozessen und bei der Anfälligkeit für bestimmte Erkrankungen. Auch genetisch bedingte Risiken, etwa für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Stoffwechselstörungen, lassen sich nicht vollständig negieren.
Entscheidend ist jedoch, dass Gene kein festgeschriebenes Schicksal darstellen. Vielmehr liefern sie eine Ausgangsbasis, auf die Umwelt und Lebensstil einwirken. Ob genetische Risiken tatsächlich zum Tragen kommen, hängt in hohem Maße davon ab, wie wir leben.
Was Zwillingsstudien über Gene und Lebensstil zeigen
Besonders aufschlussreich für die Frage nach dem Einfluss von Genen und Lebensstil sind Ergebnisse aus der internationalen Zwillingsforschung. In mehreren großen Langzeitstudien wurden eineiige Zwillinge über viele Jahrzehnte hinweg beobachtet, Menschen also, die über die gleiche genetische Ausstattung verfügen, deren Lebenswege sich jedoch in wichtigen Umwelt- und Lebensstilfaktoren unterscheiden.
Die Erkenntnisse aus diesen Untersuchungen sind eindeutig. Trotz identischer Gene entwickeln sich Gesundheit, Krankheitsrisiken und Lebenserwartung im Laufe des Lebens oft sehr unterschiedlich. Entscheidend dafür sind vor allem Faktoren wie Bewegung, Ernährung, Schlaf, Stressbelastung und soziale Einbindung.
Eine häufig zitierte Auswertung dieser Forschung kommt zu dem Ergebnis, dass der genetische Einfluss auf die Lebenserwartung lediglich bei etwa 20 bis 25 Prozent liegt. Der deutlich größere Anteil wird durch Lebensstil und Umweltbedingungen geprägt. Diese Ergebnisse machen deutlich, dass genetische Veranlagungen zwar eine Rolle spielen, jedoch keineswegs festlegen, wie gesund wir altern.
Selbst bei vorhandenen genetischen Risiken zeigen die Daten, dass bewusste Entscheidungen und ein gesundheitsfördernder Lebensstil einen erheblichen Einfluss auf Lebensqualität und gesunde Lebensjahre haben können.
Der entscheidende Faktor: Unser Lebensstil
Wesentlich ausschlaggebender für Gesundheit und Leistungsfähigkeit im Alter sind Umweltfaktoren und persönliche Entscheidungen. Dies belegen zahlreiche Langzeitstudien, darunter auch die bekannte Blue-Zones-Forschung von Dan Buettner.
In den sogenannten Blue Zones, Regionen mit besonders vielen gesunden Hundertjährigen, zeigen sich auffallend ähnliche Lebensmuster, unabhängig von genetischen Unterschieden. Dazu zählen regelmäßige Bewegung im Alltag, eine überwiegend pflanzenbasierte Ernährung, starke soziale Bindungen, ein klarer Lebenssinn und ein vergleichsweise geringer chronischer Stress.
Bemerkenswert ist dabei, dass es sich nicht um Hochleistungsprogramme oder extreme Maßnahmen handelt, sondern um konsequente, alltagstaugliche Routinen, die über Jahrzehnte hinweg gelebt werden.
Du hast es selbst in der Hand
Während erbliche Faktoren gewisse Risiken mit sich bringen können, liegt es zu einem großen Teil in deiner Hand, wie sich diese Risiken im Laufe des Lebens entwickeln. Longevity bedeutet nicht, gegen die eigene Genetik anzukämpfen, sondern bewusst Rahmenbedingungen zu schaffen, die Gesundheit, Regeneration und Leistungsfähigkeit fördern.
Schon vergleichsweise kleine Veränderungen können große Wirkung entfalten, insbesondere dann, wenn sie frühzeitig und dauerhaft umgesetzt werden. Studien zeigen, dass selbst Menschen mit ungünstiger genetischer Ausgangslage durch einen gesunden Lebensstil ihre Lebenserwartung und vor allem ihre gesunde Lebensspanne deutlich verlängern können.